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Ozempic, Mounjaro und Retatrutid im Vergleich: Was funktioniert am besten, wo liegen die Kosten, welche Risiken bestehen

Ozempic, Mounjaro und Retatrutid gehören zu den stärksten Abnehm-Medikamenten ihrer Klasse – doch sie unterscheiden sich erheblich in Wirkmechanismus, Wirksamkeit, Kosten und Risikoprofil. Eine faktenbasierte Einordnung mit aktuellen Studiendaten.

📅 23.09.2026 ⏱ 14 Min Lesezeit 👁 5 Aufrufe ✓ Kostenlos

Die GLP-1-basierten Abnehm-Medikamente haben die Behandlung von Adipositas revolutioniert. Ozempic (Semaglutid), Mounjaro (Tirzepatid) und der noch nicht zugelassene Wirkstoff Retatrutid gehören zu den wirksamsten Optionen – doch sie unterscheiden sich grundlegend in ihrer Wirkweise, ihrer Effektivität und ihrem Risikoprofil. Dieser Artikel vergleicht die drei Substanzen anhand aktueller Studiendaten.

1. Wirkmechanismus: Vom Einfach- zum Dreifach-Agonisten

Der entscheidende Unterschied zwischen den drei Wirkstoffen liegt in der Anzahl der Hormonrezeptoren, die sie aktivieren:

  • Semaglutid (Ozempic/Wegovy): Ein GLP-1-Rezeptor-Agonist. Es imitiert das Hormon Glucagon-like Peptide 1, das Appetit und Blutzucker reguliert.[1]
  • Tirzepatid (Mounjaro/Zepbound): Ein dualer GIP/GLP-1-Rezeptor-Agonist. Es aktiviert zusätzlich den Rezeptor für das glucoseabhängige insulinotrope Peptid (GIP), was die Insulinsekretion und Fettverbrennung zusätzlich stimuliert.[1][2]
  • Retatrutid: Ein triple GIP/GLP-1/Glucagon-Rezeptor-Agonist. Zusätzlich zu GIP und GLP-1 aktiviert es den Glucagon-Rezeptor, der den Energieverbrauch steigert und die Fettverbrennung fördert.[3][4]

Die zunehmende Anzahl aktivierter Rezeptoren erklärt die gesteigerte Wirksamkeit: Je mehr Stoffwechselwege gleichzeitig beeinflusst werden, desto stärker fällt der Gewichtsverlust aus.[3][4]

2. Wirksamkeit: Was die Studien zeigen

Die Datenlage ist eindeutig – aber nicht einheitlich. In einer großen Netzwerk-Metaanalyse mit 58 Studien und über 24.000 Teilnehmern ohne Diabetes erreichte Retatrutid den stärksten Gewichtsverlust (−22,10 %), gefolgt von Tirzepatid (−19,28 %) und CagriSema (−17,32 %). Konventionelle GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Semaglutid zeigten deutlich geringere Effekte.[5]

Eine weitere Bayes'sche Netzwerk-Metaanalyse mit 19 Studien und 29.506 Teilnehmern kam zu ähnlichen Ergebnissen: Retatrutid und duale Agonisten erreichten einen mittleren Gewichtsverlust von −11,0 kg, verglichen mit −9,0 kg für GLP-1-Rezeptor-Agonisten. Besonders beeindruckend: Retatrutid erzielte eine Odds Ratio von 54,6 für einen Gewichtsverlust von ≥ 15 %.[6]

Die Zulassungsstudien von Eli Lilly bestätigen diese Rangfolge. In der Phase-3-Studie TRIUMPH-2 verloren Teilnehmer mit Adipositas und Typ-2-Diabetes unter 12 mg Retatrutid nach 80 Wochen durchschnittlich 20,8 % ihres Körpergewichts. In TRIUMPH-3 (schwere Adipositas mit kardiovaskulärer Erkrankung) erreichten die Teilnehmer sogar 22,6 % Gewichtsverlust.[7]

Zum Vergleich: In der SURMOUNT-1-Studie erzielte Tirzepatid nach 72 Wochen bis zu 20,9 % Gewichtsverlust. Semaglutid (Wegovy) erreichte in der STEP-1-Studie nach 68 Wochen 14,9 %.[8]

3. Zulassungsstatus

Ein entscheidender Unterschied: Während Semaglutid und Tirzepatid bereits zugelassen sind, befindet sich Retatrutid noch in der klinischen Entwicklung.

  • Semaglutid (Ozempic): FDA-zugelassen seit 2017 (Diabetes), Wegovy seit 2021 (Adipositas)[9]
  • Tirzepatid (Mounjaro): FDA-zugelassen seit 2022 (Diabetes), Zepbound seit 2023 (Adipositas)[9]
  • Retatrutid: Nicht zugelassen – weder von der FDA noch von der EMA oder einer anderen Zulassungsbehörde weltweit. Das vollständige klinische Datenpaket liegt inzwischen vor, eine Zulassung wird frühestens 2027 erwartet.[10][11][12]

Wichtig: Da Retatrutid nicht zugelassen ist, kursieren im Internet zahlreiche Grauzonen- und Schwarzmarktprodukte. Diese Produkte sind nicht qualitätskontrolliert und können gefährliche Verunreinigungen enthalten. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA warnt ausdrücklich vor der Verwendung von nicht zugelassenem Retatrutid.[13]

4. Kosten in Deutschland

Die Kosten für die Abnehm-Medikamente in Deutschland sind erheblich und werden von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht erstattet – es sei denn, es liegt eine Diabetes-Diagnose vor.[14][15]

Medikament Wirkstoff Monatliche Kosten (ca.)
OzempicSemaglutid80–245 €
WegovySemaglutid (höher dosiert)170–300 €
MounjaroTirzepatid206–490 €
RetatrutidGIP/GLP-1/GlucagonNicht verfügbar (nicht zugelassen)

Die Preise variieren je nach Dosierung und Anbieter. Ein Ozempic-Fertigpen (0,5 mg, 3 ml) kostet als Privatrezept 105,18 €.[16] Mounjaro liegt in der Erhaltungsdosierung (5 mg, 3 Pens) bei 808,62 € für drei Monate.[17] Auf dem Schwarzmarkt werden für Retatrutid Preise zwischen 50 und 100 € pro Dosis gehandelt – mit erheblichen Qualitäts- und Sicherheitsrisiken.[18]

5. Risiken und Nebenwirkungen

Alle drei Wirkstoffe teilen ein ähnliches Nebenwirkungsprofil, wobei die Intensität mit der Anzahl der aktivierten Rezeptoren zunimmt.

Häufige Nebenwirkungen

Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und Bauchschmerzen treten bei allen drei Substanzen häufig auf. Eine Metaanalyse zeigte, dass die Odds Ratio für Übelkeit unter Retatrutid bei 4,0 lag, unter Tirzepatid bei 2,7 und unter Semaglutid bei 3,9.[19] Eine weitere Analyse bestätigte: Größerer Gewichtsverlust geht konsistent mit höheren Nebenwirkungsraten und Therapieabbrüchen einher.[20]

Schwerwiegende Risiken

  • Schilddrüsen-C-Zell-Tumoren: In Nagetierstudien verursachten Semaglutid und Tirzepatid dosisabhängig Schilddrüsen-C-Zell-Tumoren. Ob dies auch für Menschen gilt, ist unbekannt. Beide Medikamente sind bei Patienten mit MEN-2-Syndrom oder medullärem Schilddrüsenkarzinom in der Familie kontraindiziert.[9][21]
  • Akute Pankreatitis: Alle drei Wirkstoffe können eine Bauchspeicheldrüsenentzündung auslösen.[9][22]
  • Gallenblasenerkrankungen: Erhöhtes Risiko für Gallensteine und Gallenblasenentzündungen.[9][22]
  • Diabetische Retinopathie: Bei Patienten mit vorbestehender diabetischer Retinopathie kann sich die Erkrankung verschlimmern.[9]
  • NAION (Augenerkrankung): Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat NAION (nicht-arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie) als sehr seltene Nebenwirkung von Semaglutid eingestuft. Patienten, die plötzlichen Sehverlust oder eine rasch fortschreitende Sehverschlechterung bemerken, sollten sofort einen Arzt aufsuchen.[23][24]
  • Ketoazidose: Ein Fall von schwerer nicht-diabetischer Ketoazidose wurde nach der Verwendung von kompoundiertem Retatrutid in supratherapeutischer Dosierung berichtet.[25]

Verlust von Muskelmasse

Ein häufig unterschätztes Risiko: Alle drei Wirkstoffe reduzieren nicht nur Fett-, sondern auch Muskelmasse. Eine aktuelle BMJ-Analyse mit 262 Studien und fast 100.000 Teilnehmern zeigte, dass Tirzepatid die Fettmasse am stärksten reduzierte (−25,7 %), aber gleichzeitig auch den stärksten Verlust an Magermasse verursachte (−8,3 %).[20] Der Erhalt von Muskelmasse ist besonders für ältere Menschen und Bodybuilder von Bedeutung.

6. Kardiovaskuläre Effekte: Ein entscheidender Vorteil für Semaglutid

In der BMJ-Analyse war subkutanes Semaglutid das einzige Medikament, das mit einer signifikanten Reduktion von:

  • Gesamtmortalität (−19 %)
  • Herzinfarkt (−28 %)
  • Herzinsuffizienz (−57 %)
assoziiert war. Tirzepatid reduzierte ebenfalls das Herzinsuffizienz-Risiko (−51 %), zeigte aber keine signifikanten Effekte auf Mortalität oder Herzinfarkt.[20]

Für Retatrutid liegen noch keine kardiovaskulären Outcome-Daten aus großen Studien vor. In TRIUMPH-3 wurden zwar MACE-Ereignisse erfasst, die Hazard Ratio von 0,82 für MACE-5 war jedoch nicht statistisch signifikant.[7]

Fazit

Die Wahl zwischen Ozempic, Mounjaro und Retatrutid hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Maximale Wirksamkeit: Retatrutid ist derzeit der stärkste Wirkstoff, hat aber den höchsten Nebenwirkungsrisiko und ist nicht zugelassen. Vom Gebrauch nicht zugelassener Produkte wird ausdrücklich abgeraten.
  • Beste Evidenz und kardiovaskulärer Nutzen: Semaglutid (Ozempic/Wegovy) hat die robusteste Datenlage und als einziges Medikament nachgewiesene Mortalitätssenkung.
  • Gute Balance aus Wirksamkeit und Sicherheit: Tirzepatid (Mounjaro) bietet einen stärkeren Gewichtsverlust als Semaglutid bei einem ähnlichen Risikoprofil und ist zugelassen.

Angesichts der erheblichen Kosten – zwischen 200 und 500 € pro Monat – und der Tatsache, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Behandlung in der Regel nicht erstatten, sollte die Entscheidung für oder gegen diese Medikamente ärztlich begleitet und individuell abgewogen werden.[14][15]


Quellen

  1. GoodRx (2026): Retatrutide vs. Tirzepatide: How Do They Compare?, 20. April 2026. goodrx.com
  2. Eli Lilly (2026): Mounjaro Prescribing Information – Warnings and Precautions. medical.lilly.com
  3. NIHR Leicester BRC (2025): Leicester researchers review next generation of obesity treatments, 21. Oktober 2025. leicesterbrc.nihr.ac.uk
  4. Hitaka, K. et al. (2026): Efficacy of GLP-1 analog peptides, semaglutide, tirzepatide, and retatrutide on MC4R deficient obesity and their comparison, International Journal of Obesity. nature.com
  5. BMJ Medicine (2026): Comparative efficacy and safety of glucagon-like peptide 1 based drugs for weight loss in adults with overweight or obesity without diabetes: network meta-analysis of randomised controlled trials, 27. August 2026. bmjmedicine.bmj.com
  6. Sinha, B. & Ghosal, S. (2025): Efficacy and Safety of GLP-1 Receptor Agonists, Dual Agonists, and Retatrutide for Weight Loss in Adults With Overweight or Obesity: A Bayesian NMA, Obesity, 33(11), 2046–2054. onlinelibrary.wiley.com
  7. Eli Lilly (2026): Lilly's triple agonist, retatrutide, successful in two additional Phase 3 obesity trials, 23. Juli 2026. investor.lilly.com
  8. Jastreboff, A.M. et al. (2023): Triple–Hormone-Receptor Agonist Retatrutide for Obesity — A Phase 2 Trial, New England Journal of Medicine, 389, 514–526. nejm.org
  9. FDA (2025): OZEMPIC (semaglutide) injection – Prescribing Information. fda.gov
  10. Ozmosi (2026): Retatrutide Drug Profile – Approval Status, 6. August 2026. pryzm.ozmosi.com
  11. Zavamed (2026): Retatrutid: Neues Medikament zur Gewichtsreduktion, 1. September 2026. zavamed.com
  12. ANVISA (2026): Alerta sobre caneta para emagrecimento que não está aprovada. abran.org.br
  13. DailyMed (2025): RETATRUTIDE LYOPHILIZED POWDER – Label, 30. Oktober 2025. dailymed.nlm.nih.gov
  14. WirtschaftsWoche (2026): Ozempic, Wegovy, Mounjaro: Wie erklärt sich der Preis der Abnehmspritzen in Deutschland?, 2. August 2026. wiwo.de
  15. AOK (2026): Neue Debatte um Kostenübernahme für Ozempic, Wegovy & Co., 4. August 2026. aok.de
  16. APONEO (2026): Ozempic 0,5 mg Injektionslösung im Fertigpen 3ml. aponeo.de
  17. APONEO (2026): Mounjaro 5 mg / Dosis Kwikpen Injektionslösung Fertigpen 3 St. aponeo.de
  18. Business Insider (2026): Hype um Peptide: Dieses Start-up will uns per Abo schöner machen, 30. März 2026. businessinsider.de
  19. Diabetesjournals (2026): Comparative Efficacy and Tolerability of Incretin-Based Medication for Weight Loss, Juni 2026. diabetesjournals.org
  20. BMJ Group (2026): Most obesity drugs do not improve quality of life or heart health, 9. Juli 2026. bmjgroup.com
  21. Lilly Medical (2026): Mounjaro (tirzepatide) injection – Warnings and Precautions, 25. August 2026. medical.lilly.com
  22. DailyMed (2025): MOUNJARO Medication Guide, 27. August 2026. dailymed.nlm.nih.gov
  23. EMA (2025): PRAC concludes eye condition NAION is a very rare side effect of semaglutide medicines, 6. Juni 2025. ema.europa.eu
  24. WHO (2025): The use of semaglutide medicines and risk of non-arteritic anterior ischemic optic neuropathy (NAION), 27. Juni 2025. who.int
  25. Endo 2026 (2026): Severe Non-Diabetic Ketoacidosis Associated with Supratherapeutic Compounded Retatrutide Use, 14. Juni 2026. endo2026.endocrine.org

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Aufklärung und Information. Er stellt keine medizinische Beratung dar. Die Anwendung von verschreibungspflichtigen Medikamenten ohne ärztliche Indikation ist strafbar und mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden. Retatrutid ist derzeit in keinem Land zugelassen. Wir empfehlen keine Anwendung und geben keine Anleitung.

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